Natur hautnah

… im Naturschutzgebiet „Abtei und Saaleaue bei Planena“

Mitten im Hochsommer mache ich mich auf nach Ammendorf, um ein ganz im Süden von Halle gelegenes, großes Auengebiet zu erkunden. Das Naturschutzgebiet „Abtei und Saaleaue bei Planena“ ist durchzogen von Radwegen, und obwohl ich befürchte, dass das große Hochwasser im Jahr 2013 einige davon in Mitleidenschaft gezogen haben könnte, wage ich mich über die Weiße Elster, die deutlich mehr Wasser führt als gewöhnlich. Dieses Mal bin ich jedoch nicht allein unterwegs. Bei mir ist der Biologe Dr. Martin Schmelz, der mich freundlicherweise begleitet. Unsere Tour geht los, die Strecke, die ich mir ausgesucht habe, ist zwar steinig, aber breit und gut befahrbar. Wir folgen der Planenaer Straße nach Süden, und werden stets daran erinnert, dass wir uns in einem Gebiet zur Trinkwassergewinnung befinden. Die Schilder, die in großer Zahl rechts und links des Weges auftauchen, sind jedoch derartig verblichen, dass ich an ihrer Aktualität zweifle. Wie ich später erfahre, wurde die Trinkwassergewinnung tatsächlich vor einigen Jahren eingestellt. Wir biegen nach einem knappen Kilometer an einer Kreuzung nach rechts ab, um zum Dorf Planena zu fahren. Nach wenigen Metern müssen wir unsere Tour jedoch unterbrechen.

Unverhofft kommt oft…

Die Gerwische, ein normalerweise kleiner Bach, fließt plätschernd über unseren Weg hinweg. Eine schmale Brücke führt wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche um die Kurve ins Ungewisse. Ich sehe meine Radtour im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen und hole schon die Karte hervor, um nach einem Umweg zu suchen, als mein Begleiter über das flache Wasser springt und die Brücke betritt. Ich will wissen, wie es hinter der Kurve aussieht, bekomme aber nur „Du musst auch herkommen!“ zu hören. Ich suche mir also einen Weg, um trockenen Fußes bis zur Brücke zu gelangen, und mir selbst ein Bild vom drohenden Unheil zu machen. Die Brücke ist zwar begehbar, jedoch steht etwa ein Drittel davon bis zu 20 cm unter Wasser.

… und ein Unglück kommt selten allein

Wir wägen ab: umkehren oder hinüberschieben? Zu allem Überfluss ist der letzte Brückenabschnitt auch noch von großem Treibgut aus Ästen und Stämmen versperrt. Ich bin schließlich dafür, eine Überquerung zu versuchen. Martin Schmelz ist dagegen: Die Strömung ist stark, der Weg schmal, was, wenn wir abrutschen, die Räder oder die teure Kamera ins Wasser fallen? Und was, wenn die Äste doch nicht so einfach zu beseitigen sind? Ich muss ihm Recht geben und nehme die Karte zur Hand. Etwas weiter im Süden gibt es noch eine Brücke, die hoffentlich in besserem Zustand ist. Wir machen Kehrt und fahren an einem großen Wasserbecken vorbei – ein Relikt aus „Trinkwasserzeiten“. Die ausgewählte Brücke stellt sich als Glücksfall heraus, doch schon stehen wir vor dem nächsten Hindernis: Der Baustelle an der neuen ICE-Trasse, die sich vor uns wie ein riesiger Tausendfüßler erhebt.

Ein Umweg, der sich lohnt

Glücklicherweise ist genug Platz, um zwischen den Baufahrzeugen auf eine provisorische Landstraße zu gelangen, die uns an der Trasse entlang Richtung Planena führt. Planena selbst entpuppt sich als hübsches Dörfchen, welches wir jedoch sofort wieder verlassen, denn wir wollen die überflutete Brücke nun noch von der anderen Seite begutachten. Der Pfad vor uns ist gesäumt von kleinen Bäumchen und umgeben von hohen, feuchten Wiesen. Wir machen ein paar Fotos, als Martin Schmelz mich auf besondere Vogelrufe aufmerksam macht. Hoch über uns fliegt ein Rabenpärchen vorbei, über das ich mich sehr freue, denn wilde Raben habe ich bisher höchstens gehört, nie aber gesehen. Von Krähen sind sie leicht an ihrer Größe und den kurzen Rufen zu erkennen, die sich ähnlich wie ein „rah, rah“ anhören. Als wir sie aus den Augen verlieren, machen wir uns wieder auf den Weg. Der ungeplante Abstecher zur Brücke entpuppt sich als Highlight unserer Reise, denn hier wimmelt es von Libellen. Das Treibgut stellt sich als unüberwindbar heraus – wie gut, dass wir den Umweg genommen haben. Zahllose Libellenfotos später machen wir uns auf den Rückweg, lassen Planena hinter uns, bis wir zwischen zwei Teichen erneut Halt machen. Wieder sind wir umgeben von Libellen, von denen wir uns nur schwer losreißen können.

Störche, Schnitzel, Saaleaue

Direkt hinter den Teichen überqueren wir die Saaleschleuse und das Wasserwerk und verlassen das Naturschutzgebiet. Von hier aus wollen wir an Hohenweiden und Röpzig vorbei zurück Richtung Stadt fahren. Mitten in Hohenweiden entdecken wir ein Storchennest mit zwei recht großen Jungvögeln, von den Alten ist aber weit und breit nichts zu sehen. Der Hunger treibt uns weiter, denn in Röpzig bietet sich eine gute Rastgelegenheit: Gleich an der Straße befindet sich eine Feldküche, wo wir uns ein Schnitzel und eine Bratwurst schmecken lassen. Ich sichte die Fotos auf meinem Kameradisplay. Der Besuch der Saaleaue war wirklich ein Abenteuer, für das wir aber mit zahlreichen tollen Fotomotiven belohnt wurden. Für Naturliebhaber und -fotografen ist die Region ein regelrechter Geheimtipp, und auch ich nehme mir vor, zu einer anderen Jahreszeit erneut vorbeizukommen.

Wenn Sie die Route nachfahren wollen, finden Sie eine Landkarte und Informationen im Abschnitt „Erleben und Entdecken“.

 

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