Natur hautnah

… im Naturschutzgebiet „Brandberge“

„Ohne Pilze wäre ein Leben auf der Erde gar nicht möglich.“ Mit diesem Auftakt beginnt die mykologische Exkursion, der ich mich Ende Oktober angeschlossen habe. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder und der NABU Halle führen mehrmals im Jahr Exkursionen durch, diesmal geht es auf Pilzsuche ins Naturschutzgebiet Brandberge. Da ich von Pilzen eher wenig Ahnung und die Brandberge bisher nur im Sommer besucht habe, bin ich gespannt, was ich heute alles dazulernen werde. Eine bunte Truppe aus etwa 25 Männern und Frauen hat sich schließlich zur Exkursion eingefunden und wird von Andreas Liste, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises, begrüßt. Wir erfahren, dass es etwa 250 Pilzarten in den Brandbergen gibt. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu etwa 600 Pilzarten in der benachbarten Dölauer Heide schon fast wenig.

 

Pilze sammeln – ja oder nein?

Gemeinsam werden wir zwei Stunden lang Pilze sammeln und anschließend bestimmen. Ausnahmsweise dürfen wir dabei die Wege des Naturschutzgebiets verlassen, und ebenso ausnahmsweise dürfen wir Lebewesen aus dem Gebiet entnehmen. In der Pilzwelt gehen die Meinungen auseinander: So sagen die einen, dass der Speisepilz nur die Frucht des eigentlichen, unterirdisch lebenden Pilzes ist, und daher in Maßen gesammelt werden darf. Die anderen wiederum sind der Meinung, man solle die Natur Natur sein lassen und die Pilze den Tieren lassen, zumal viele Pilzsammler das empfindliche Myzelgeflecht aus Unachtsamkeit oder Unwissen beschädigen. Unter uns sind viele Experten, die beim vorsichtigen Herauslösen der Pilze und einer ersten Einordnung helfen. Auch andere Teilnehmer sind nicht zum ersten Mal dabei und haben Weidenkörbe und Taschenmesser mitgebracht. Schnell füllen sich die Körbe mit Bovisten, Täublingen, Tintlingen, Birkenpilzen und vielen mehr.
 

Pilze unter Schutz

Auch ich habe Erfolg und entdecke neben den kleinen, gut getarnten und ungenießbaren Pilzen einen stattlichen Birkenpilz. Tatsächlich wachsen auf den Brandbergen nur sehr wenige essbare Pilze. Schon allein deswegen lohnt es sich nicht, allein zum Pilze suchen herzukommen. Noch wichtiger ist allerdings der Naturschutzaspekt, denn viele der hier wachsenden Arten sind geschützt und wachsen erst weit abseits der Wege.

Das Ergebnis: Ein Erlebnis!

Nach fast 2,5 Stunden kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. In einem Kofferraum wird die „Beute“ ausgestellt und gesichtet. Andreas Liste ist positiv überrascht, wie viele verschiedene Pilze dieses Jahr gefunden wurden. Jeder darf tasten, riechen und raten, einige lassen von den Pilzkundigen ihren ganzen Korbinhalt bestimmen. Mein Fund wird eindeutig als Gemeiner Birkenpilz identifiziert und ist zum Genuss freigegeben. Da ich lediglich mit Kamera und Notizblock ausgestattet bin, werde ich kurzerhand mit einem Stoffbeutel beschenkt, um meinen Pilz heil nach Hause transportieren zu können. Für eine richtige Mahlzeit reicht er natürlich nicht, aber ich bereite mir am Abend stolz ein einmaliges „Naturschutzgericht“ zu: Die von mir kreierte Brandberger Pilz-Pfanne (Man nehme: Einen großen Pilz, eine kleine, gewürfelte Zwiebel und ein paar Speckwürfelchen, brate alles bis der Pilz weich ist und würze nach Belieben.) Die Exkursion wird für dieses Jahr wohl mein letzter Ausflug in Halles Naturschutzgebiete gewesen sein. Mit einem selbstgefundenen und -zubereiteten Souvenir findet meine Reise durch das wilde Halle einen sehr schönen und leckeren Abschluss.

Neugierig geworden?

Wer mehr über Pilze oder Halles geschützte Natur im Allgemeinen erfahren möchte, dem seien derartige Exkursionen ans Herz gelegt. Die Termine hierzu finden Sie auf den entsprechenden Seiten des NABU Halle und des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder. Im Sinne der Umwelt ist es ratsamer, unter fachkundiger Anleitung querfeldein auf Entdeckungstour zu gehen. Das Sammeln von Pilzen in Naturschutzgebieten sollte man ansonsten besser den Tieren überlassen, für die im Herbst der Tisch reich gedeckt bleiben muss, um gut den Winter zu überstehen.

Wenn auch Sie den Brandbergen einen Besuch abstatten wollen, finden Sie eine passende Radtour unter „Erleben und Entdecken“.

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