Natur hautnah

… im Naturschutzgebiet „Forstwerder“

Keine Wolke zeigt sich am Himmel, es ist warm, perfektes Radtour-Wetter. Ich nutze die Gelegenheit, um einen Ausflug in Halles kleinstes Naturschutzgebiet zu unternehmen. Der Forstwerder ist eine 11 ha große Insel, die von Saale und Mühlgraben umschlossen ist. Ich fahre mit dem Zug bis zur Haltestelle Wohnstadt Nord und radele das kurze Stück zur Saale, bis ich die auffällige Forstwerderbrücke sehe. Wie ein Regenbogen spannt sie sich zwischen Insel und „Festland“. Ich muss mein Fahrrad zurücklassen, denn die Brücke besteht ausschließlich aus Treppenstufen und kann somit nur zu Fuß betreten werden. Am höchsten Punkt angekommen, bietet sich mir ein schöner Ausblick auf die rauschende Saale, die Ruinen einer alten Papierfabrik und das Wäldchen der Insel.

 

 

Mücken, Mücken, und noch mehr Mücken

Am Ende der Brücke angekommen, werde ich vom obligatorischen Schild mit der Eule begrüßt und befinde mich schon im Naturschutzgebiet. Hier muss ich mich entscheiden: Links oder rechts. Ein kleiner Weg führt um die Insel herum. Ich entscheide mich für die rechte Seite und merke schon nach wenigen Schritten, dass dies kein gemütlicher Spaziergang wird. Deutlich sind die Hochwasserschäden aus dem Frühjahr zu erkennen, und ich bekomme auch eine indirekte Folge der Überschwemmungen zu spüren: Sobald ich stehen bleibe, bin ich von hungrigen Mücken umgeben, die anscheinend nur auf mich gewartet haben. Ich frage mich, wovon die vielen Mücken leben, wenn mal kein Besucher auf der Insel unterwegs ist. An Mückenspray habe ich leider nicht gedacht und suche nach einem Ausweg, den ich in Form eines Pfades Richtung Schleuse finde.

Auf dem Rundweg

Am Waldrand ist es sonnig und heiß und erstaunlich mückenfrei. Ich habe gelesen, dass der Mühlgraben von Nutrias bevölkert wird, sehe aber leider keinen einzigen der Nager. Mein Pfad führt mich immer weiter gen Norden, bis ich schließlich die Spitze der Insel erreicht habe. Treibholz und umgestürzte Bäume prägen hier das Bild. Ich begebe mich zurück auf den Rundweg und laufe die Südseite entlang. Schnell wünsche ich mir lange Hosen herbei, denn der Weg ist großzügig überwuchert. Hier und da tauchen sandige Stellen auf, in denen sich viele verschiedene Abdrücke finden. Obwohl ich kein guter Fährtenleser bin, erkenne ich immerhin die Spuren von Hunden und Wasservögeln.

 

Ein verbotener Strand

Große Eichen säumen den Weg, und als ich schon fast wieder an meinem Ausgangspunkt angekommen bin, entdecke ich einen schönen Sandstrand. Dieser scheint ein Geheimtipp zu sein, zumindest ein Badegast ist zu sehen. Später erfahre ich, dass es auf dem Forstwerder vor etwa 100 Jahren tatsächlich ein Flussbad gegeben hat. Heute ist das Baden hier ausdrücklich verboten, ein großes Schild informiert darüber, dass die Saale an dieser Stelle eine beachtliche Strömung hat. Davon abgesehen, ist es im Naturschutzgebiet nicht erlaubt, die Wege zu verlassen. Ich halte mich nicht mehr lange im Wald auf, denn schon haben die Mücken mich wieder eingeholt. Auf der Brücke kommen mir Jogger entgegen, eine Kanufahrerin zieht vorbei und ich komme zu dem Schluss, dass der Forstwerder eindeutig seine Reize hat, für einen gemütlichen Aufenthalt aber nur außerhalb der Mückenzeit zu empfehlen ist. Ich kette mein Fahrrad ab und mache mich auf den Weg nach Süden, um mir das nächste Gebiet, die Norspitze der Peißnitzinsel, anzusehen.

Wenn Sie neugierig geworden sind, finden Sie die Route zum Nachfahren im Abschnitt „Erleben und Entdecken“.

 

Comments are closed.