Natur hautnah

… im Naturschutzgebiet „Pfingstanger bei Wörmlitz“

Mein armes Fahrrad. Meine arme, arme Kamera. Diese Gedanken schießen mir durch den Kopf, als eine im Gras versteckte Bodenwelle mich auf dem Weg zum Pfingstanger beinahe vom Fahrrad holt, und meine Kamera, die ich um den Hals hängen habe, gegen die Lenkstange knallt. Eigentlich hatte ich vor, das Naturschutzgebiet „Pfingstanger“ von der Bremer Straße aus zu befahren. Als sich jedoch der Eierweg, der direkt an der großen Saale-Brücke hinter Röpzig beginnt, steil vor mir auftürmt, biege ich kurzentschlossen von der Straße ab, um einem angeblich vorhandenen Rundweg um das Gebiet zu folgen. Zu Beginn ist tatsächlich ein kleiner Weg zu sehen, der schnurstracks der Saale folgt und sehr schön ist – zumindest, was die Natur angeht.
Doch schon 500 Meter später geht nichts mehr, der Weg verschwindet im hohen Gras, die Sonne brennt vom Himmel, mein Wasservorrat neigt sich dem Ende und ich beschließe, diese Huckelpiste zu verlassen. Da ich nicht umkehren will, bleibt mir nur die Option, mein Fahrrad bergauf durch eine alte Streuobstwiese zu schieben. Es geht steil aufwärts, aber glücklicherweise habe ich nach etwa 50 Metern den Zenit erreicht.

Blutstropfen und Militärandenken

Für meine Anstrengungen werde ich reich belohnt: Ein einsames Pflänzchen hat die letzte Beweidung überstanden und wird von zwei wunderschönen Insekten geschmückt. Es sind „Blutströpfchen“ – ein sehr passender Name. Ich lasse mein geschundenes Fahrrad stehen und folge einem Pfad gen Westen, um mich umzuschauen. Von hier aus hat man einen tollen Ausblick auf den großen, bewaldeten Teil des Naturschutzgebiets, der noch vor mir liegt. Rechts des Weges entdecke ich seltsame Vertiefungen, die wie Schützengräben aussehen. Tatsächlich war hier einst ein Militärübungsplatz, wie ich später erfahre.

Abwechslungsreiche Natur

Ich radle weiter nach Norden, bis ich an eine holprige Straße komme. Ihr folge ich bergab nach Westen. Unten angekommen, werde ich von zwei Raben begrüßt. Die großen Vögel sind sehr scheu und verschwinden leider in den Bäumen, ehe ich meine Kamera zücken kann. Weiter geht’s, bis ich endlich das Eulenschild entdecke, das das Naturschutzgebiet bewacht. Hier zeigt sich, wie vielseitig der Pfingstanger ist. Es gibt große Wiesen, ein paar Tümpel und viel Wald. Der Weg führt immer tiefer in den Wald hinein, wird mal schlechter, mal ist er plötzlich gepflastert.

 

Botanische Entdeckungen

Am Wegrand sehe ich plötzlich eine große Pflanze, die mich an eine Distel erinnert. Ich mache ein paar Fotos von ihren schönen Blüten, nicht ahnend, dass ich eine „Schlitzblatt-Karde“ vor mir habe. Während sie vor 20 Jahren in Sachsen-Anhalt noch vom Aussterben bedroht war, ist sie inzwischen „nur noch“ gefährdet. Leider kann ich die schöne Natur dank Hitze und Erschöpfung kaum genießen und mache mich auf den Rückweg. In Zeitlupe schleppe ich mich die Garnisonsstraße hinauf, die scheinbar endlos und ohne Schatten steil bergauf geht und mich zurück in die Zivilisation führt. Zielstrebig steuere ich den nächstgelegenen Supermarkt an, um meinen Durst zu stillen und mich bei einem Eis von den Strapazen zu erholen. Schade, dass der Pfingstanger so abgelegen ist. Am besten besucht man ihn wohl zu Fuß bei mildem Wetter – und mit ausreichend Flüssigkeit im Gepäck.

Wie Sie den Pfingstanger auf sicherem Wege erkunden können, erfahren Sie im Abschnitt „Erleben und Entdecken“.

 

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