Natur hautnah

… im Naturschutzgebiet „Rabeninsel und Saaleaue bei Böllberg“

Rabeninsel – dieser Name klingt sehr verheißungsvoll. Ich bin gespannt, was mich diesmal erwartet, und nähere mich dem Naturschutzgebiet von Norden aus. Auf einem teilweise sehr abenteuerlichen Weg entlang der Galopprennbahn, der durch das Hochwasser 2013 sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, erreiche ich den Teil des Gebiets, der den Namen „Saaleaue bei Böllberg“ trägt. Die eigentliche Rabeninsel befindet sich etwas weiter südlich. Die Straße wird breiter und ist gesäumt von hohen, alten Bäumen. Die eindrucksvolle Allee endet an der Wilden Saale, über eine kleine Brücke erreiche ich die Rabeninsel.

 

Ein Idyll für Mensch und Tier

Hier wird man von einer großen Informationstafel empfangen. Leider ist nur noch wenig auf ihr zu erkennen, denn sie ist vollständig mit Graffiti übermalt. Ich biege auf den Schlenkerweg ab, der einmal rund um die Insel führt. Die Sonne scheint idyllisch durch die Baumkronen, etwa alle 20 Meter laden Bänke zum Verweilen ein, und trotz der sehr heißen Temperaturen an diesem Tag ist es hier sehr angenehm. Die Rabeninsel präsentiert sich von ihrer schönsten Seite, als ich auch noch einen Pirol singen höre. Dieser Vogel war auf der Infotafel angekündigt worden, und ich freue mich, ihn auch tatsächlich hören zu können. Sein Sitzplatz bleibt mir jedoch im dichten Blätterdach verborgen.

Schutzgebiet mit zwei Gesichtern

Bald schon bin ich an der Südspitze der Insel angekommen. Dies scheint ein beliebter Platz zu sein, denn ich bin nicht alleine: Ein Pärchen hält die Beine ins Wasser, ein paar Spaziergänger kommen vorbei, und ein Angler steht in der über das Wehr rauschenden Saale. Ich überlege, ob Angeln in der Wilden Saale erlaubt ist, schließlich gehört sie zum Naturschutzgebiet und somit dürfen aus ihr keine Tiere entnommen werden. Im Stillen wünsche ich dem Angler daher „Petri Pech“ und fahre weiter. Mir kommen nun auch unangeleinte Hunde entgegen, und ich spüre, welche Folgen die gute Lage der Rabeninsel hat. Über die im Jahr 2000 eröffnete Rabeninselbrücke können Besucher ohne Aufwand in ein schönes Naherholungsgebiet gelangen, manchmal jedoch zu Ungunsten der Natur. Nachdem eine ferngesteuerte Tür, die die Brücke jeden Abend zur Stadtseite hin abriegelte, mehrfach zerstört wurde, steht der Zugang nun zu jeder Tageszeit offen.

Gemischte Gefühle

Ich erklimme die Brücke über eine lange, radfahrerfreundliche Rampe und bestaune die moderne Architektur. Das Hinweisschild zum Naturschutzgebiet wurde ebenso wie die Infotafel Opfer von Vandalismus, doch es gibt eine weitere Tafel an der Böllberger Straße, die über den Flussauenwald und seine Bewohner informiert. Die Angaben zu den selbstschließenden Türen der Brücke zeigen mir allerdings, dass das Schild einer Überarbeitung bedarf. Ich verlasse die Rabeninsel mit gemischten Gefühlen, denn ich sehe den Artenreichtum und die Schönheit des Gebiets durch die vielen Besucher bedroht. Früher schliefen große Schwärme von Krähen in den Wipfeln, heute sind es nur noch wenige. Doch es ist zweifellos gut und wichtig, dass viele Menschen durch die Nähe zur Natur für deren Schutzwürdigkeit sensibilisiert werden.

Wenn Sie das Naturschutzgebiet ebenfalls besuchen möchten, finden Sie eine Route im Abschnitt „Erleben und Entdecken„.

 

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