Rabeninsel – damals und heute

Die Rabeninsel ist heute vor allem eins: Natur pur. Doch das war nicht immer so. Bis 1992 war beispielsweise noch eine von drei Gastwirtschaften auf der Insel in Betrieb, zu DDR-Zeiten gab es Spielplätze und Freizeiten. Kerstin Lüllepop, geboren 1964, wurde mit und auf der Rabeninsel groß. Auch ihre Freundin Sabine Böttcher (geboren 1969) hat den Reiz der Rabeninsel für sich entdeckt. Gemeinsam haben sie „ihrer“ Rabeninsel sogar eine Website gewidmet. Im Interview erzählen sie, wie sich die Insel gewandelt hat und was sie aus ihrer Sicht so besonders macht.

Kein Ton? Hier können Sie das ganze Interview nachlesen:

Kerstin Lüllepop und Sabine Böttcher

Kerstin Lüllepop und Sabine Böttcher

Frau Lüllepop, Sie sind auf der Rabeninsel förmlich aufgewachsen, wie hat sich die Insel denn über die Jahre verändert?

Kerstin Lüllepop: Ich habe noch ganz viele Bilder aus meiner Kindheit, weil meine Oma gegenüber wohnte und ich mit ihr ganz oft auf der Insel war, um für die Tiere Futter zu holen, zum Spazierengehen, und um die Gastwirtschaft dort zu besuchen und auf dem Spielplatz zu spielen. Ich habe ganz viele Erinnerungen, in denen die Insel aus meiner Sicht funktionstüchtig war, weil eine Fähre fuhr und man dort drüben in die Gaststätte gehen konnte. Heute ist es nur noch Natur, schöne, urige Natur, aber alles was dort für mich als Kind gelebt hat, das gibt es nicht mehr. Die Fähre gibt es nicht mehr, die Gaststätte gibt es nicht mehr, es ist „nur“ noch Natur. Das hat sich schon sehr verändert.

Frau Böttcher, Sie verbringen viel Zeit auf der Insel, wo ist es denn Ihrer Meinung nach am schönsten?

Sabine Böttcher: Direkt am Wehr, mit Blick auf den Kranich oder Reiher, ich weiß immer noch nicht was das ist (lacht), und da wo die Gaststätte war und man direkt auf die Böllberger Mühle guckt, am ehemaligen Anleger.

Wissen Sie denn auch etwas über die heutige Rolle der Insel als Naturschutzgebiet?

Sabine Böttcher: Sie ist schon recht wichtig, weil sie im Innenstadtbereich einen Ort darstellt, an dem viele Vögel  übernachten, die tagsüber die Stadt bevölkern. Sie ist im Winter nach wie vor Heimplatz für Krähen und Dohlen. Dann soll es dort relativ viele Waschbären und Kleingetier geben, das auch den Pestalozzipark bevölkert und dort die Leute in Aufregung versetzt. Und sie ist Überflutungsgebiet. Das ist wichtig wenn die Saale zu viel Wasser hat, da sie dann mitüberschwemmt ist und so der Wasserdruck abnimmt.

Denken Sie, dass die Natur aktuell gefährdet ist?

Sabine Böttcher: Nein, glaube ich nicht. Sie verändert sich dadurch, dass man Natur dort Natur sein lässt. Die Insel wird auf der einen Seite weniger, denn auf der Seite zum Böllberger Weg hin bricht immer mal was ab. Auf der anderen Seite wächst sie dadurch, dass auf der Kanalseite der Wilden Saale  immer Stückchen abbrechen, die sich auf der Rabeninselseite ansiedeln. Als ich das erste Mal auf der Insel war, was jetzt bestimmt über 10 Jahre her ist, war der Weg an der Wilden Saale direkt am Wasser. Jetzt sind zwischen dem Weg und der Wilden Saale zum Teil 10, 15 Meter und man sieht richtig, wie das dort wächst und sich verändert. Ich glaube, gefährdet ist die Natur nicht, aber sie verändert sich sehr stark  und das ist interessant zu beobachten über die Jahre.

Frau Lüllepop, hätten Sie noch einen Tipp für Inselbesucher, wo es etwas besonders Schönes zu sehen gibt?

Kerstin Lüllepop: Wenn man sich mit der Geschichte ein bisschen befasst und weiß, dass es dort drei Gaststätten und eine Fähre gegeben hat, dann kann man natürlich Zeugnisse aus dieser Zeit finden, wenn man sucht. Zum Beispiel gibt es von der alten Gaststätte Kurzhals noch die Bodenplatte, man sieht noch alte Geländerstücke und mitten im Wald eine Platte, auf der früher eine Bühne war und irgendwelche Unterhaltungsbands gespielt haben, nach denen meine Eltern noch getanzt haben. Man sieht noch Stücke von Zäunen und großen Laternen, die es dort rings um diese Gaststätte gegeben hat. Oder das Geländer, wo früher die Fähre angelegt hat, das steht noch. All das kann man noch finden, das ist schon interessant und toll.

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